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Wir haben selbst miterlebt, wie perfekt hier alles abläuft. Jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau weiß was zu tun ist. Es sieht alles wahnsinnig realistisch aus. Aber… es ist nur nachgestellt, damit die Feuerwehrleute für den Ernstfall gut vorbereitet sind. Dazu treffen sie sich jeden Freitag im Feuerwehrhaus, wie wir wenig später erfahren. Kein Wunder also, dass alle so genau wissen, was ihre Aufgabe ist, wenn es um Brände, Autounfälle, Wohnungsöffnungen, Erste Hilfe oder Ähnliches geht.

Heute ist ein Freitag, an dem offensichtlich wieder einiges geboten ist. Meist wird nicht lange im Feuerwehrhaus verweilt, sondern wie auch heute z. B. in einem leerstehenden Haus geübt. „Dort kann man Einsätze einfach viel besser inszenieren und auch mit Patienten und Nebelmaschinen arbeiten.“

Das Gerätehaus wird regelmäßig geputzt, alle Gerätschaften geprüft und auf Vordermann gebracht. Danach glänzen die Fahrzeuge wieder wie neu. Nach einem Einsatz oder einer Übung werden die Schläuche gereinigt. Das beobachten wir natürlich auch noch kurz, schließlich wollen wir uns nichts entgehen lassen: Die Schläuche werden im Schlauchbecken nass gemacht, anschließend durch die Schlauchwaschanlage gezogen und zu guter Letzt im Schlauchturm aufgehängt... Während die Feuerwehrleute das fleißig erledigen, machen wir uns auf den Weg ins Büro, zum ersten Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Moorenweis. Es fallen sofort die vielen Pläne und Tabellen, an der Magnetwand auf. Es scheint nicht so einfach zu sein, als Kommandant alles zu organisieren, aber das werden wir später bestimmt herausfinden. In einem Regal stehen viele verschiedene Ordner. Des Weiteren steht, wie in jedem Büro üblich, ein Schreibtisch im Raum. Darauf befinden sich Monitore, Stifte ohne Ende und natürlich auch ein bisschen Papierkram. Der Rest befindet sich wahrscheinlich in den großen Schränken. Also: „Hinter der Fassade“.

„Ich bin jetzt seit 2004, also 16 Jahre lang Kommandant.“ Ihm mache die Arbeit definitiv Spaß, sonst könne man das auch gar nicht so eine lange Zeit  machen. „Es ist zwar manchmal verdammt anstrengend, aber wenn man eine gute Mannschaft hat und sieht, dass sich die Arbeit gelohnt hat, dann fällt einem die Arbeit gleich leichter.“ Das merkt man auch an den Mitgliederzahlen der Feuerwehr Moorenweis. Laut Christoph Gasteiger sind derzeit ca. 80 Personen aktiv dabei, um genau zu sein 79. Davon sind drei volljährige und acht minderjährige weibliche Personen erfasst. Also Frauen stellen wohl offensichtlich die Minderheit dar…  Passive Mitglieder hat der Verein ein paar mehr, nämlich 191.

Die Freiwillige Feuerwehr Moorenweis ist jedoch nicht die einzige Feuerwehr der Kommune. Die Ortsteile Grunertshofen, Steinbach, Purk und Dünzelbach haben jeweils ihre eigenen Mitglieder und auch ihren eigenen Kommandanten, welche dort ebenso tapfer ihre Arbeit leisten.

Im Laufe des Tages finden wir noch einige interessante Dinge heraus. In Moorenweis werden jährlich zwölf große Monatsübungen durchgeführt, wobei mit den Feuerwehren der Gemeindeteile zusammen gearbeitet wird. Außerdem fanden im letzten Jahr 46 Zusatzübungen statt, damit die Feuerwehrleute für alle Fälle gewappnet sind. Mal wird ein Auto mit Spreizer und Schere komplett auseinandergenommen, oder aber auch bei einem Vortrag gespannt zugehört. So wurde die Feuerwehr Moorenweis beispielsweise im Winter von einem Unfallgutachter besucht, der der Mannschaft erklärte, wie ein solches Unfallgutachten überhaupt erstellt wird.

Auch an Material und an Feuerwehrautos scheitert es nicht. Derzeit stehen in der Halle vier einsatzbereite Feuerwehrfahrzeuge. „Eines davon ist das sogenannte Kleinalarmfahrzeug oder auch Führungsfahrzeug. Außerdem zwei Löschgruppenfahrzeuge und ein Gerätewagen, den man entweder als Schlauchwagen oder eben als Gerätewagen für Umweltschutz und Ölschaden verwenden kann.“, so der Kommandant.                                                   

Erst am 3. April kam ein Neues hinzu – ein sogenanntes HLF20. Hilfeleistungslöschfahrzeuge sind die vielfältigsten Fahrzeuge, im deutschen Feuerwehrwesen. Sie haben sich aus den Löschgruppenfahrzeugen entwickelt, als die Feuerwehren erkannten, dass sich ihr Einsatzspektrum von der Brandbekämpfung zunehmend zur technischen Hilfeleistung verschiebt. Deshalb wurden die Löschgruppenfahrzeuge nach und nach mit zusätzlicher Beladung zur Unfallhilfe ausrüsteten.                                                 Aufgrund der aktuellen Lage wird die ursprünglich geplante Fahrzeugsegnung leider ausfallen müssen. Die Segnung des neuen Feuerwehrfahrzeuges, mit Schauübung und allem Drum und Dran, wäre nämlich am 17.05.2020 angesetzt gewesen.

„Im kleineren Löschfahrzeug (LF 10) sind 1200 Liter Wasser und 120 Liter Schaum mit dabei. Im größeren Löschfahrzeug (HLF 20) sind 2000 Liter Wasser und auch noch einmal 120 Liter Schaum mit dabei. Dann haben wir noch so ein „quasi Feuerwehrfahrzeug“. Nämlich ein Wassertanker von einem Landwirt. Der gehört uns in dem Sinne nicht, aber die Feuerwehr darf ihn jederzeit mitnehmen. Er steht immer vollgetankt bei ihm am Hof und dort sind noch einmal 20 000 Liter Wasser verladen. Wenn also  irgendwo Wald oder Wiese brennt, können wir trotzdem eine Wasserversorgung aufbauen. Zwischen Feldern und Wiesen gibt es halt nun mal keine Hydranten, aus denen fließend Wasser kommt.“

Wo brennt‘s?

Im Jahr 2019 kamen 49 Gesamteinsätze zusammen, die Meisten davon hatten mit Technischer Hilfeleistung (kurz THL) zu tun. Zu dieser Kategorie von Einsätzen zählen unter anderem Verkehrsunfälle und Wohnungsöffnungen. Auch mit zwölf Brandeinsätzen hatten die tüchtigen Helfer zu kämpfen. Zusätzlich werden durch die Feuerwehr Veranstaltungen wie der Martins- oder Faschingszug abgesichert. Auch an der Fronleichnamsprozession oder am Palmsonntag wird durch die freiwilligen Helfer der Verkehr umgeleitet.

Die Feuerwehr ist eben nicht nur zum Löschen von Bränden da. Sie hat noch viele weitere Aufgaben zu bewältigen.

 „Unser eigentliches Einsatzgebiet“, so Christoph Gasteiger, „ist die ganze Gemeinde Moorenweis, also alles von Moorenweis bis nach Grunertshofen, Dünzelbach, Steinbach, Eismerszell, Hohenzell und  Brandenberg. Zusammen mit den dort zuständigen Feuerwehren, sorgen wir dafür das nichts anbrennt. Das ist unser sogenanntes Hoheitsgebiet.“. „Aufgrund der Ausrüstung die wir dabei haben, gerade bei der Technischen Hilfeleistung, sind wir auch auf Kreisstraßen im Einsatz. Das geht hin bis nach Geltendorf, Mammendorf, Jesenwang...“ Für alle die jetzt nur Bahnhof verstehen, weil sie die Orte nicht kennen: Das ist alles in allem ungefähr ein Radius von 15 Kilometern. Das unterscheidet sich aber auch von Feuerwehr zu Feuerwehr. „Wir haben bei uns auch Spezialausrüstung z. B. den Schlauchwagen oder die Ölschadensausrüstung und deshalb sind wir bei solchen Einsätzen wirklich im ganzen Landkreis Fürstenfeldbruck alarmierbar, das heißt es kann unter Umständen schon einmal sein, dass wir bis zum Einsatzort 25, 30 oder 40 km zurücklegen müssen. Das ist jetzt nicht an der Tagesordnung, dass man so weit weg fahren muss, aber rein theoretisch ist das der Einsatzradius. Die weitesten Einsätze gibt es bei der sogenannten „Überlandhilfe“. Das heißt wenn ein Katastrophenfall eintritt, also z.B. eine Flut- oder Schneekatastrophe, dann werden einzelne Fahrzeuge und Mannschaften abgezogen. Da waren wir z.B. schon in Bodenmais im Bayerischen Wald, in Passau und in Garmischpartenkirchen. Also der Einsatzradius bezieht sich bei Katastropheneinsätzen über ganz Bayern. Aber das ist natürlich nicht der Regelfall.“

Eine Prüfung und dann ist man Feuerwehrmann /-frau?

An vielen praktischen und theoretischen Lehrgängen wird eifrig und voller Motivation teilgenommen, damit im Ernstfall alles glatt läuft und die Lebensretter auch nach ihrer Truppmann- und Truppführerausbildung noch etwas dazu lernen. So können sie die Rangleiter immer höher klettern. „Man kann vom Feuerwehranwärter/in zum Oberfeuerwehrmann/frau und danach zum Hauptfeuerwehrmann/frau aufsteigen. Wenn man spezielle Führungsausbildungen absolviert, dann kann man sich zum Löschmeister/in, zum Oberlöschmeister/in und schließlich zum Hauptlöschmeister/in empor arbeiten. Es gibt auch andere zusätzliche Lehrgänge und Prüfungen wie zum Beispiel zum Maschinisten können absolviert werden.“ An einem Motorsägen-Lehrgang oder Ähnlichem nehmen ebenso regelmäßig Mitglieder aus Moorenweis teil, damit auch ein umgestürzter Baum sicher von der Straße entfernt werden kann.

Jedes Jahr kann man auch am Leistungsabzeichen teilnehmen und sich eine Anstecknadel von Bronze bis Gold erarbeiten. Hierbei wird auch oft mit den anderen Feuerwehren der Gemeinde zusammen geübt, da schließlich im Realeinsatz viele verschiedene Leute aus unterschiedlichen Wehren zusammen arbeiten müssen.

Aber auch das Miteinander spielt eine große Rolle, so wird zum Beispiel jedes Jahr ein Wattturnier organisiert. Der Zusammenhalt spielt überall eine große Rolle, das zeigt auch die Aufschrift an der Wand des neuen Jugendraumes:  „Nur zusammen, nie allein, das muss Kameradschaft sein!“.  Sonst würde das alles nicht laufen, wenn jeder macht was er will, egal ob jung oder alt.

Der „Chef“ der Feuerwehr – Der Kommandant

Die Aufgaben eines Kommandanten sind formal, zu schauen, dass die Feuerwehr einsatzfähig ist, dass alle Geräte funktionieren und dass es eine gut ausgebildete Mannschaft gibt, die auch groß genug ist. Das mit der guten Ausbildung wird hier in Moorenweis auf jeden Fall sehr ernst genommen. Es müssen genug Leute da sein, die mit in die Einsätze fahren können. Der Kommandant ist auch dafür zuständig, dass es praktische sowie theoretische Übungen gibt, damit die Mannschaft immer bereit für den nächsten Ernstfall  ist. Alle möglichen Beschaffungen müssen auch vom Kommandanten organisiert werden, aber wie nicht anders erwartet hat ein Kommandant natürlich auch so seine Helfer und muss nicht alles alleine machen. So gibt es z. B. den stellvertretenden Kommandanten, der ihm hilft, aber auch die Gruppen- und Zugführer unterstützen ihn tatkräftig. Des Weiteren gibt es einen Kleiderwart, Maschinisten, Jugendwart, Gerätewarte und viele mehr. „Wenn sie alle zusammen helfen, ist es gar nicht so schwer… da wären wir dann wieder beim Miteinander“.

Die Jugend, die Jugend…

Adrenalin pur, auch bei den Mitgliedern der Jugendfeuerwehr. Sie haben besonders viel Spaß beim Abseilen aus ungefähr zehn Metern Höhe.  Die hellen Strahlen des Scheinwerfers beleuchten den Platz. Langsam und voller Vorsicht seilen drei Kammeraden einen nach dem anderen ab. Behutsam geht es den Abgrund hinunter... Doch das ist nur eine von vielen dieser spektakulären Übungen, die zusammen mit der Jugend abgehalten werden.

Denn ebenso wie die Erwachsenen finden sich auch  die Jugendfeuerwehrler jeden Freitag im Gerätehaus ein. Die Älteren geben stolz ihr Wissen an die jungen Feuerwehranwärter und  Feuerwehranwärterinnen weiter. Caroline Pittrich ist die Jugendleiterin. „Ich bin Jugendleiterin geworden, weil mir die Arbeit mit Jugendlichen Spaß macht und ich auch beruflich mit Jugendlichen arbeite. Wir haben uns gedacht, das wäre doch was und haben im Sommer 2019 eine Jugendfeuerwehr gegründet“. „Offiziell darf man der Jugendfeuerwehr Moorenweis mit 14 Jahren beitreten.“ Auch die jüngere Generation ist bei jeder Übung mit Feuereifer dabei. „Über 60 Dienstleistende sind da oft bei den Übungen anwesend. Das ist echt eine aussagekräftige Zahl…“ so Christoph Gasteiger: „Den aktiven Dienst bei der Feuerwehr muss man mit 65 Jahren aufgeben. Diese Obergrenze ändert sich aber auch des Öfteren.“ „Um den Feuerwehrdienst gewährleisten zu können benötigen wir jederzeit Nachwuchs.“                                                      

Nachdem den Jugendfeuerwehrlern und -feuerwehrlerinnen viel Neues beigebracht wurde, geht es in den gemütlichen Teil über. Während die Älteren im Stüberl bei einem Bier gemütlich beisammensitzen, vergnügen sich die Jüngeren mit Musik und einem Spezi  im Jugendraum. Wie genau es da aussieht interessiert uns natürlich brennend. Deshalb sitzen sie bereits auf den selbstgebauten Bänken aus Paletten, die mit bequemen grünen Polstern und Kissen aus ausgemusterten Feuerwehrhosen bestückt sind. Sie empfangen uns sehr freundlich. An der Wand fällt sofort ein großes Gemälde auf. Ein Feuerwehrler, ganz in schwarzer Farbe, ist gerade dabei, eine Leiter hinaufzuklettern. Er hat Flügel, welcher wohl dafür die Einsatzkräfte im Einsatz zu schützen. Die Sprossen der Leiter werden aus kleinen Holzbrettern dargestellt. Sie dienen als Ablage. Außerdem hängen an der Wand viele Bilder, die an spektakuläre Übungen, aber auch an schöne andere Momente erinnern.  

Auf die Frage, was man in der Jugendfeuerwehr macht und ob es extra Veranstaltungen gibt, antwortet Caroline Pittrich lachend: „Alles was Spaß macht.“ Nach einer Übung wird z. B. noch zum MC Donalds gefahren, sämtliche Spiele gespielt, Dart gespielt, ein Film geschaut oder der nächste gemeinsamer Jugendausflug geplant.“

Aber auch für die Jugendlichen gibt es Möglichkeiten, ihr Können bei Prüfungen unter Beweis zu stellen. Beim Jugendwissenstest kann jedes Jahr eine höhere Stufe errungen werden, auch hier gibt es Anstecknadeln von Bronze bis Gold. Die Jugendfeuerwehrler und Feuerwehrlerinnen verdienen sich hiermit die ersten Abzeichen ihrer Feuerwehrkarriere.                                 

Für die noch Kleineren gibt es natürlich auch Möglichkeiten, sich einen Einblick in die Feuerwehrarbeit zu verschaffen. Jedes Jahr findet im Sommer ein actionreiches und spaßiges Ferienprogramm statt, bei dem man garantiert nass wird…  Die Runde, die mit den Feuerwehrautos gedreht wird, hat es in sich. Der Weg führt nämlich letzten Endes zur Maisach, an dem ein Staudamm errichtet wird. Da kann man sich ja schon denken, was Kinder im Kopf haben, wenn Wasser in Sicht ist…

Auch die Drittklässler der  Grundschule Moorenweis und die Vorschulkinder des Kindergartens besuchen jedes Jahr die örtliche Feuerwehr, um grundlegende Dinge zu lernen. Unter anderem wie man einen Notruf richtig absetzt, was zu den Aufgaben der Feuerwehr gehört oder wie die Ausrüstung der Feuerwehrleute aufgebaut ist. Nach dem „Theorie-Teil“  wird vorgeführt, wie laut es ist, wenn eine Spraydose aufgrund der Hitze von Feuer explodiert. Aber das war noch lange nicht alles, was man bei der Feuerwehr so lernen und erleben kann...

Das war echt ein toller Tag und man hat eine ganz andere Perspektive entwickelt, wenn man einmal sieht, was die Feuerwehrleute für die Allgemeinheit tun – und das freiwillig… Echt super!                                             Ein großes Dankeschön an euch Feuerwehrleute!

Na, haben wir Dich neugierig gemacht? Dann informiere Dich doch einfach mal bei der Feuerwehr in Deinem Ort. Nachwuchs wird immer gebraucht. Leider glauben nämlich immer noch viele Bürger, dass die Feuerwehr hauptamtlich ist, dass betrifft aber nur in den großen Städten wie München, Augsburg, Nürnberg oder Ingolstadt. Bei uns auf dem Land braucht es Freiwillige. Den Anfang macht man am besten als Jugendlicher, auch wenn man selbstverständlich im Erwachsenenalter auch noch einsteigen kann. Hier ist wirklich jeder „Herzlich Willkommen“ so die Freiwillige Feuerwehr.

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